Restaurierung der Orgel des Goethe-Gymnasiums Berlin

Die Wilhelm-Sauer-Orgel

Ein Gemeinschaftsprojekt zur Bewahrung der ältesten noch spielbaren Schulorgel Berlins

Review 02

11. September 2021Tag des offenen Denkmals und Tag der Orgel

Der Samstag begann zunächst ruhig und die Gasteiner Straße wirkte durchaus verschlafen. Wer jedoch seine Sinne schon geschärft hatte, konnte bereits von Ferne die Orgelklänge aus der Aula des Goethe-Gymnasiums vernehmen.

Allmählich fanden erste Interessent:innen den Weg durch die offene Tür des Denkmals Goethe-Gymnasium. In Einzel- und Kleingruppenführungen konnte man unter dem Motto: „Die Architektur des Goethe-Gymnasiums: ein Bildungstempel“ einen historischen Überblick und interessante Details zum Schulgebäude von den Lehrer:innen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften erfahren.

Ein besonderes Highlight war für die Besucher:innen die gesonderte Orgelführung in der Aula, versiert und mit viel Liebe zum Instrument vorgetragen von unserem Orgelbeauftragten, dem Konzertorganist Dr. Gottfried Thore Drywa.

Für alle Beteiligten, die diesen klangvollen Tag gemeinsam ausgerichtet hatten, stand fest: Diese Veranstaltung sollte im nächsten Jahr unbedingt wieder stattfinden – mit neuen Gästen und unter breiter Beteiligung der Schüler:innen des Goethe-Gymnasiums.

An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an den Schulleiter Herrn Freese sowie an Herrn Dr. Domke und seine Kolleg:innen vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, dass Sie diesen Tag auch als Tag der Orgel möglich gemacht haben!

Historischer Überblick Wilhelm-Sauer-Orgel
Review 01

Orgelkonzert zum Start der Fundraising-Kampagne

Im Rahmen des Orgelbandes Berlin-Brandenburg veranstaltete das Goethe-Gymnasium am 16. August 2021 in der Aula ein Orgelkonzert. Den Abend eröffnete der Schulleiter Jörg Freese mit einem Grußwort. In die Geschichte der Schulorgel und in das Projekt ihrer Restaurierung führte Dr. Gottfried Thore Drywa ein.

Den musikalischen Teil bestritten der Kirchenmusiker Patrik Orlich, der Konzertorganist Dr. Gottfried Thore Drywa sowie ein Schüler und eine Schülerin des Goethe-Gymnasiums. Der Abend klang aus bei einem Get-Together.

Wir danken den Helfern des Fördervereins und den Lehrern des Fachbereichs Musik für die tatkräftige Unterstützung. Ein besonderer Dank gilt den Besuchern für die eingegangen Spenden.

Eine besondere Geschichte braucht ihre Zukunft

Die Sauer-Orgel auf dem Weg zurück zu Identität und Ursprung

Sie ist ein Juwel, die älteste historische, noch spielbare Schulorgel Berlins – und sie erzählt eine fast 120-jährige Geschichte: von zwei Weltkriegen, ruhmreichen Konzerten und unzähligen Schüler*innen, die das Instrument, eingebettet in den humanistischen Bildungskanon, für sich entdecken durften.

Was dieses Werk aus der Glanzzeit des Hoforgelbaumeisters Wilhelm Sauer besonders macht? Es ist die beeindruckende Qualität eines kleinen Studioinstruments, speziell gebaut für die Aula des heutigen Goethe-Gymnasiums Wilmersdorf. Es ist der Umstand, dass die Sauer-Orgel des Goethe-Gymnasiums nicht, wie viele Wilmersdorfer Schulorgeln, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, sondern erst danach durch viele notdürftige und dadurch wenig nachhaltige Reparaturen und Veränderungen zum Spielball des Zahns der Zeit geworden ist. Und die Zeit spielt gegen die Sauer-Orgel.

Die Dekaden haben ihre Spuren hinterlassen. Heute weist sie massive technische Mängel an Disposition, Traktur und Gehäuse auf und droht, unspielbar zu werden. Um die Orgel nachhaltig und werktreu instand zu setzen und ihr ihre ursprüngliche Identität zurückzugeben, wurde eine großangelegte Restaurierungsinitiative ins Leben gerufen.

Denn wenn wir jetzt nicht handeln, geht eine Chance für künftige Generationen von Schüler*innen verloren. Eine Chance auf Bildungsfreiheit, freie Interessensentfaltung und auf den offenen Zugang zu einem Instrument mit Seltenheitswert an Berliner Schulen.

Deshalb: Erhalten wir unseren Kindern diesen Möglichkeitsraum! Geben wir ihnen die Gelegenheit, sich mehr denn je von dieser „Königin der Instrumente“ inspirieren zu lassen, und schaffen wir gleichzeitig einen florierenden kulturellen Veranstaltungsort für den Bezirk und für Berlin.

„Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste“ (Johann Wolfgang von Goethe) – und in diesem Geist brauchen wir Ihre Hilfe und Unterstützung, damit die Sauer-Orgel als geistiger Raum für Inspiration und Musikerziehung, als Gestaltungsmittel für die ganzheitliche Förderung der Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums erhalten bleibt!

Status quo - die Orgel im Jahr 2021

Das Restaurierungsvorhaben ist auch ein Forschungsprojekt. Eine Spurensuche. Das Studium zahlreicher historischer Dokumente, Zeitungsartikel, Fotos und Gutachten zeichnet das Bild einer Orgel, an der im Lauf der Jahre viele Änderungen vorgenommen wurden. Ihr heutiger Zustand kann in erster Linie auf Umbaumaßnahmen in den 1950er-Jahren und viele notdürftige und wenig nachhaltige Reparaturen in späteren Jahrzehnten zurückdatiert werden, die der Orgel manchmal eher geschadet als genutzt haben.

Das ursprüngliche historistische Gehäuse wurde teilweise entfernt und in den 1950er Jahren mit einem sachlichen Gehäuse verkleidet, das heute weitreichende Schäden aufweist: Es ist verzogen, zahlreiche Holzplatten lösen sich und einzelne Löcher im Gehäuse beinträchtigen nicht nur die Ästhetik, sondern vor allem Resonanz und Klang. Hinzu kommen Schäden in den Prospektpfeifen, an den Membranen und an der Technik. Tendenz: (ver)fallend.

Jeder Monat zählt. Um den vollständigen Verfall der Orgel zu verhindern, ist daher zügiges Handeln geboten. Enormes Plus: Der Pfeifenbestand der Orgel ist noch zu 80 Prozent historisch originalgetreu vorhanden – eine vielversprechende Ausgangsposition für eine nachhaltige und solide Instandsetzung des Instruments.

Quo vadis – was muss passieren?

Vor dem Hintergrund des fast lückenlos rekonstruierbaren Wandels des historischen Gesichts dieser hochwertigen Orgel aus dem Sauer-Repertoire, muss das Ziel der Restaurierung die kompromisslose, umfassende und nachhaltige Wiederherstellung des Originalzustandes sein. Nur so kann die einst gedachte in sich geschlossene Symbiose aus optischer Anmutung und einem unverfälschten, ursprünglichen Klangerleben wieder erreicht werden. Der dazu notwendige Restaurierungsprozess umfasst drei Stufen:

  1. Die Aufarbeitung des wertvollen, zu großen Teilen noch vorhandenen historischen Pfeifenbestandes inklusive des Ersetzens einzelner durch den Zeitgeist der Orgelbewegung in den 1950-er Jahren ausgetauschten Register.
  2. Die Wiederherstellung der pneumatischen Manual- und Registertraktur) sowie
  3. mit der originalgetreuen Renovierung des historistischen Gehäuses mit vom Jugendstil inspirierten Dekor, die Wiederherstellung des unverwechselbaren eigenen Charakters dieser Orgel – also der verloren gegangenen, einzigartigen Identität des Instruments in seiner Gesamtheit.

Disposition

Wiederherstellung der Disposition von 1904 mit Originalpfeifen, Nachbauten und aus Beständen

Traktur

Wiederherstellung der pneumatischen Traktur und Einbau einer Digitaltraktur

Gehäuse

Wiederherstellung des Gehäuses mit Treppenaufgängen und Kanzel

1904


erbaut

bis 1930


Konzerte

1945


Proben der Berliner Philharmoniker

1954/56


modernisiert

2021


Projektstart

2025


Restaurierte Orgel

Mit neuen Mitteln Altes erhalten

Aufbruch in die digitale Zukunft – die Orgel zum Mitnehmen

Auch im Jahr 2021 ist die Sauer-Orgel Zeugin ihrer Zeit. Grund genug, ihren aktuellen Zustand als einen Teil ihrer Geschichte zu dokumentieren und zu konservieren. Mit all ihren Spuren und Schäden. Und mit ihrem Klang. Deshalb wurde noch vor Beginn der Restaurierung ein sogenanntes Sample-Set – ein Digitalisat jedes einzelnen Orgeltons – erstellt. Dadurch ist es möglich, den akustischen „Fingerabdruck“ der Orgel von 2021 authentisch festzuhalten und auf jedem MIDI-fähigen Keyboard mit einem nahezu realen Raumklanggefühl der Aula des Goethe-Gymnasiums ertönen zu lassen. Wann immer man möchte. Von überall auf der Welt.

Der digitale Spieltisch des Samplesets der Sauer-Orgel

Die Registertafel der Sauer-Orgel im digitalen Format des Hauptwerk-Samplesets.

Daraus ergeben sich gerade für den digitalen Musikunterricht im Goethe-Gymnasium ganz praktische Möglichkeiten. Die digitale Sauer-Orgel steht den Schüler*innen unabhängig von der Belegung der Aula jederzeit zur Verfügung.

Ziel ist es, eines Tages auch die vollständig restaurierte Orgel virtuell spiel- und erlebbar zu machen und ortsunabhängig zum Klingen zu bringen. Eine Orgel zum Mitnehmen – im neuen und alten Sound.

Die Säulen der Realisierung

Die Orgel braucht ein kleines Wunder. Oder Ihre Spenden.

Als Kulturobjekt ist die Orgel immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO. Eine Idee kleiner gedacht, liegt sie als „Baudenkmal Schulorgel“ im öffentlichen Interesse der Stadt- und Bezirksgeschichte und noch einmal enger gefasst der Schule bildungspolitisch und dem Orgelkenner emotional am Herzen.

Auf dieser Basis braucht es ein starkes Konzept zur Finanzierung des Restaurations-Projektes. Dieses gründet auf drei Säulen:

Förderung

Fördergelder (Bund-, Länder- und Lottomittel)

Spenden

Spendengelder und Pfeifenpatenschaften (freie Einzelspenden)

Eigenleistung

Ehrenamtliche Leistungen der Projektbeteiligten

Gemeinsame Verantwortung

Die Träger des Projektes

Die Restaurierung der Sauer-Orgel ist ein Gemeinschaftsprojekt, das vom Goethe-Gymnasium Berlin und dem Denkmalamt Berlin getragen wird.

Goethe-Gymnasium Berlin

Das Goethe-Gymnasium Berlin beherbergt in seinem Schulgebäude die Sauer-Orgel

Landesdenkmalamt Berlin

Das Goethe-Gymnasium Berlin beherbergt in seinem Schulgebäude die Sauer-Orgel

In Kontakt kommen

Die Ansprechpartner des Projektes

Der Schulleiter Jörg Freese ist der Gesamtverantwortliche des Projektes.

Für alle fachlichen Fragen zur Sauer-Orgel und ihrer Restaurierung steht Ihnen Konzertorganist Dr. Gottfried Thore Drywa zur Verfügung.

Jörg Freese

Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Berlin

Dr. Gottfried Thore Drywa

Orgelbeauftragter des Goethe-Gymnasiums

Orgel – Instrument des Jahres 2021

Goethe-Gymnasium Berlin-Wilmersdorf

Gasteinerstr. 23
10717 Berlin